auf der Seite der Stadt Weinheim ist über unser Jubiläum zu sehen und zu lesen:

Alan Kay, amerikanischer Pionier der Computerprogrammierung, war 1948 acht Jahre alt. In diesem Jahr wurde der Stadtjugendring Weinheim e.V. gegründet. Als Kay später einen berühmten Satz sprach, wusste er wahrscheinlich nicht, wie sehr diese Aussage auf den Stadtjugendring und auf die Jugendarbeit insgesamt zutrifft. Der Satz lautet: „Die Zukunft kann man am besten voraussagen, wenn man sie selbst gestaltet.“

Martin Wetzel, Geschäftsführer des Stadtjugendrings, zitierte ihn am Freitagabend im Rahmen einer Feierstunde zum 70-jährigen Bestehen des Vereins. Es war eine klare politische Botschaft, die an diesem Abend öfter zu hören war. Sie lautet: Die  Jugendarbeit und die Beteiligung der Jugendlichen an politischen und gesellschaftlichen Prozessen ist eine Voraussetzung für Freiheit, Frieden und Demokratie.  Ganz besonders wurde dies klar, als Martin Heckmann, SPD-Kommunalpolitiker der ersten Stunde der Bundesrepublik und langjähriger Stadtrat, an die Zeiten vor 70 Jahren erinnerte; er war seinerzeit 19 Jahre jung. Heckmann, der über 40 Jahre in Weinheim Politik gestaltet hat, führte gedanklich in die Gründungsjahre der Republik zurück – aber auch zur Jugendarbeit, die in der Nazi-Zeit gleichgeschaltet war. Heckmanns Appell an die jungen Menschen, aber auch an jene, die sie ins Erwachsenwerden hinein begleiten: „Mischt Euch ein, muckt auch mal auf, beteiligt Euch an der Demokratie, nur sie bringt Frieden und Freiheit.“
Auch Oberbürgermeister Heiner Bernhard nahm den Ball auf. „Es ist heute vielleicht wichtiger als je zuvor, für demokratische Grundrechte einzustehen“, erklärte er. Die Jugendarbeit gebe der nachwachsenden Generation dabei „Halt und Orientierung“. Heiner Bernhard: „Weinheim will und kann auf diese  Jugendarbeit nicht verzichten.“ Der OB würdigte insbesondere das Wirken von Wolfgang Metzeltin. Der Pädagoge und Kommunalpolitiker habe den Stadtjugendring, wie der langjährige Geschäftsführer Jürgen Holzwarth, deutlich geprägt. Bernhard zu Metzeltin: „Wer weiß, wohin die Reise ohne Dich auf der Kommandobrücke geführt hätte.“

Zu all den Ausführungen passte ein Impulsreferat des Sozialforschers Peter Martin Thomas, der die Gefühlslage der jungen Generation gut beschreiben konnte. Die Jugend wachse heute in einer Zeit auf, die von Unsicherheit, schneller Veränderung, Komplexität und von Widersprüchen geprägt sei. Dadurch entstehe eine Art „Meta-Mobilität“, die in einer virtuell-irrealen Welt mündet – wenn ein Jugendlicher zum Beispiel nach dem Abitur ans andere Ende der Welt fliegt und dort per WhatsApp Kontakt zu Freunden oder Eltern pflegt als wäre er zu Hause. Die Jugendlichen wachsen in einer digitalisierten und multikulturellen Welt auf, hat Thomas beobachtet, aber: „Beides muss man auch lernen.“ Die Digitalisierung sei eben nicht nur ein technischer Wandel, sondern ein gesellschaftlicher.
Die Anforderung für alle: „Wir machen immer mehr in immer kürzerer Zeit.“
Geschäftsführer Martin Wetzel fasste die Botschaften des Abends zusammen, als er verdeutlichte: „Jugendarbeit muss immer politisch sein, unpolitische Jugendarbeit ist keine Jugendarbeit.“ Dabei müsse die Jugendarbeit „gerade die politikfernen Gruppen erreichen“. Der Stadtjugendring sei dabei der Partner all jener, die Beteiligung vorantreiben. So schloss er aber auch mit einem Appell an Verwaltung und Poltik, die Jugendarbeit weiter zu fördern. „Auch in Weinheim fehlt es an Orten und Räumen, die ihnen zur Verfügung stehen“, erklärte der Geschäftsführer. Deshalb wünsche er sich zum Geburtstag des Stadtjugendring „am liebsten ein Haus der Demokratie“. Die Feierstunde war von Joachen Sendler, dem Vorsitzenden des Stadtjugendrings, mit einer Begrüßung eröffnet worden. Das Mandolinenorchester, der Chor Vivida Banda, die „Hip-Hop-Dance-Carrillonian“ sowie Kevin Moschner an der Gitarre begleiteten das Programm, das mit einem Buffet durch die „KochKultur“ abgeschlossen wurde.

(Erstellt am 19. Juni 2018)

Quelle: https://www.weinheim.de/,Lde/Startseite/Stadtthemen/70+jahre+sjr.html