Nein, eigentlich gibt es um den Spielplatz keinen Ärger. Es gibt Ärger um die Nutzung des Spielplatzes. Die Kinder stören, da

a.) laut

b.) bolzen

c.) Musik hören

d.) da

so, ganz flapsig und polemisch.

 

Seit geraumer Zeit sind wir so nicht nur auf „dem“ Bolzer Klausingstraße unterwegs, sondern auch auf anderen Spielplätzen.

Der Stadtjugendring Weinheim e.V. geht bei entsprechendem Sachverhalt mit den Mitarbeitern*innen der Mobilen Jugendarbeit, Frau Weitenkopf und Herr Kugel auf die Kinder und Jugendlichen und die Anwohner*innen der entsprechenden Spielplätze zu und sucht das Gespräch.

Die Jugendlichen, besser gesagt Kinder, die uns dort begegnen sind in der Regel zwischen 12 – 16 Jahre alt. Wir können natürlich nicht ausschließen, dass sich auch Andere und Ältere zu späteren bzw. anderen Zeiten am Spielplatz treffen. Meistens sind die Kids uns gegenüber sehr aufgeschlossen und gerne bereit mit uns und den Erwachsenen über Nutzungsregeln auseinanderzusetzen. Kompromissfähigkeit ist ebenso wie Rücksichtnahme angesagt.

Oft ist es so, dass sich ein Spielplatz relativ plötzlich zu einem attraktiveren Treffpunkt wird.  Es sind die Sitzgelegenheiten, die gute Erreichbarkeit, der Schatten, das freien w-lan (woher auch immer das kommt) etc. die diese Attraktivität ausmachen. Ein Anwohner beschreibt das treffend:  „Sie (die Benutzer*innen) kommen nicht, um auf dem Spielplatz zu spielen, sondern sehen ihn als Treff an. Sie wollen dort unter sich sein. “ Und dazu gehört auch das Hören von Musik, das, wenn über externe Boxen gehört, die Nachbarn stört und das gelegentliche „bolzen“.

Manchmal befinden sich in der Nähe sogar richtige Bolzplätze. (Obwohl es davon nicht genug wohnortnah gibt.

Aber: 1. nicht alle Kinder und Jugendlichen aus der Gruppe wollen Bolzen

2. ist der Bolzplatz, oftmals „immer voll“

3. das Gelände dort nicht wie oben beschrieben attraktiv und

4. wird das von andern Gruppen genutzt, die diese Kids „vertreiben“.

Gut ist es, rechtzeitig zu vermitteln, bevor ein Konflikt „hochgekocht“ ist. Beide, Erwachsene/Anwohner*innen wie auch die Kids haben berechtigte Interessen.

Eine pauschale Altersbeschränkung bzw. eine Herabsetzung des Alters steht dem Interesse der Nutzer entgegen.  Sicherlich kann man die Kids mit verschiedenen Maßnahmen vom Spielplatz vertreiben, aber damit steht die Funktion des Spielplatzes generell in Frage. Gäbe es hingegen eine attraktive Alternative, würde sich die Situation sicherlich entspannen, vielleicht sogar das Problem von alleine lösen.

Kinder und Jugendliche brauchen Plätze zum Spielen, Toben und sich Erproben. Wir halten entstehende Konflikte für eine Möglichkeit Lösungen und Maßnahmen zu finden, an denen das Gemeinschaftsgefühl wachsen kann. Kinder und Jugendliche gehören dazu und wir sollten Ihnen die Möglichkeit bieten demokratische „Auseinandersetzungen“ mit der Erwachsenenwelt zu führen.

Aber oftmals bleibt es beim guten Willen. Schön ist es, wenn Nachbarn Ideen entwickeln und über auch  wettergeschützte und -unabhängige Treffs, z.B. in einer Wohnung nachzudenken. Oder wenn sie sich Gedanken zu attraktiven Plätzen für Kids machen. Nur sind das Gedanken, deren Umsetzung mit Geld verbunden ist.

Und so scheint Vertreibung oftmals die einfache und billige Lösung zu sein. Scheinbar, denn mittel und langfristig rächt sich das.  Der Zusammenhang von fehlender Freifläche und delinquenten Verhalten ist gegeben. (vgl. dazu: http://www.bpb.de/politik/innenpolitik/innere-sicherheit/125487/stadtplanung-als-kriminalpraevention)

Bildquelle: https://www.pexels.com/photo/little-boy-playing-in-the-sand-6459/